TuneKite

Ratgeber

Barrégriffe leicht gemacht

Der F-Dur-Barrégriff ist eine Woche lang eine Qual – das geht allen so. Der Trick heißt: weniger quetschen, mehr Hebelwirkung. Hier erfährst du, wie du die Hand richtig einstellst, mit welchem Übungsweg die Kraft nach und nach wächst und was du spielen kannst, bis es so weit ist.

Von der TuneKite-Redaktion5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Kipp den Zeigefinger leicht auf seine knochige Seite und leg ihn direkt hinter das Bundstäbchen.
  • Arbeite mit dem Gewicht des Arms statt mit Daumendruck: Lass den Ellbogen hängen und zieh den Hals sanft zu dir heran.
  • Lern die Griffform im 5. Bund, wo die Saiten weniger Spannung haben, und wandere dann Bund für Bund Richtung F.
Auf dieser Seite
  1. Was ist ein Barrégriff?
  2. Die Technik Schritt für Schritt
  3. Ein sanfter Übungsweg
  4. Welcher Bund ergibt welchen Akkord?
  5. Leichtere Alternativen, solange die Kraft wächst
  6. Probleme und Lösungen
  7. Häufige Fragen

Was ist ein Barrégriff?

Bei einem Barrégriff liegt ein Finger – meist der Zeigefinger – flach über mehreren Saiten im selben Bund und wirkt wie ein verschiebbarer Sattel. Die übrigen Finger bilden davor eine vertraute offene Griffform. Weil keine Leersaiten mitklingen, funktioniert dieselbe Form in jedem Bund: Schiebst du sie zwei Bünde höher, klingt der Akkord einen Ganzton höher.

Die vier wichtigsten Barréformen: F und Fm (Grundton auf der 6. Saite), B♭ und Hm (Grundton auf der 5. Saite)

Zwei Familien decken fast alles ab. Die E-Form ist ein offener E-Dur-Griff mit den Fingern 2, 3 und 4, während der Zeigefinger alle sechs Saiten abdeckt; ihr Grundton liegt auf der 6. Saite. Die A-Form ist ein offener A-Dur-Griff vor einem Barré über fünf Saiten; ihr Grundton liegt auf der 5. Saite. Zu beiden gibt es eine Moll-Variante, und die Septakkorde ergeben sich nach demselben Prinzip.

Die Technik Schritt für Schritt

  1. Position des Zeigefingers. Leg den Zeigefinger direkt hinter dem Bundstäbchen über alle sechs Saiten und kipp ihn dann ein paar Grad Richtung Kopfplatte, sodass die härtere, knochige Seite die Arbeit übernimmt. Die weiche Fingermitte lässt gern einzelne Saiten verstummen.
  2. Die Gelenkfalten finden. In den Fingergelenken sitzen Hautfalten, die genau auf einer Saite landen und sie abdämpfen können. Verschieb den Finger ein paar Millimeter nach oben oder unten, bis jede Saite darunter klingt.
  3. Daumen tief, hinter dem Hals. Setz die Daumenkuppe hinten auf den Hals, ungefähr gegenüber von Zeige- oder Mittelfinger. Greif nicht über den Hals nach oben.
  4. Mit dem Arm ziehen. Lass den Ellbogen locker neben dem Körper hängen und lass das Gewicht des Arms die Finger in die Saiten ziehen – so, als würdest du den Hals leicht zu dir heranholen. Der Daumen stabilisiert nur.
  5. Griffform ergänzen. Setz die anderen drei Finger mit den Fingerkuppen auf. Nur wenige Saiten brauchen wirklich den Zeigefinger: Bei der F-Form greift er nur die 6., 2. und 1. Saite, die übrigen übernehmen die Finger 2, 3 und 4.
  6. Saite für Saite prüfen, dann komplett loslassen. Lange Druckphasen ermüden nur die Hand; viele kurze Wiederholungen bauen die Griffkraft auf.

Ein sanfter Übungsweg

Weiter oben am Hals liegen die Saiten tiefer und lassen sich leichter drücken. Fang also dort an und arbeite dich nach unten, während die Hand kräftiger wird. Ein paar Minuten täglich über zwei bis drei Wochen reichen meist aus.

  1. Tag 1–3: Spiel den Barrégriff in E-Form im 5. Bund (das ist A-Dur). Anschlagen, jede Saite prüfen, loslassen. Zehnmal, zweimal am Tag.
  2. Tag 4–7: Wechsle zwischen dem 5. und dem 3. Bund (G-Dur). Nimm danach die Moll-Form in denselben Bünden dazu.
  3. Woche 2: Geh hinunter in den 1. Bund zu F. Ergänze h-Moll in A-Form im 2. Bund.
  4. Woche 3: Wechsle im Takt von einem offenen Akkord zum Barrégriff und zurück, mit dem Metronom auf 60 BPM und vier Schlägen pro Akkord: C nach F, dann G nach Hm.

Welcher Bund ergibt welchen Akkord?

Der Grundton des Barrégriffs ist der Ton unter dem Zeigefinger auf der Grundtonsaite. Wenn du die Töne auf der 6. und 5. Saite kennst, kannst du jeden Barrégriff ohne Grifftabelle benennen.

Grundton in jedem Bund für die beiden Barréformen
Bund12345678
E-Form (6. Saite)FFisGAsABHC
A-Form (5. Saite)BHCCisDEsEF

Die E-Form im 3. Bund ist also G, die A-Form im 3. Bund ist C, und die Moll-E-Form im 7. Bund ist h-Moll. Zum Nachprüfen benennt der Akkordfinder jede Form, die du auf dem Griffbrett baust, und jeder Barrégriff hat eine eigene Seite in der Bibliothek der Gitarrengriffe.

Leichtere Alternativen, solange die Kraft wächst

Niemand muss auf den vollen Barrégriff warten, um Musik zu machen. Diese Alternativen klingen für sich genommen gut, und viele Profis setzen sie ganz bewusst ein.

Fmaj7: die offene Alternative zu F ganz ohne Barré
  • Kleines F. Spiel nur die oberen vier Saiten: Zeigefinger quer über den 1. Bund der hohen E- und H-Saite, Mittelfinger auf der G-Saite im 2. Bund, Ringfinger auf der D-Saite im 3. Bund. Der Zeigefinger muss nur zwei Saiten abdecken.
  • Fmaj7. Wie das kleine F, aber mit offener hoher E-Saite. Weicher in der Klangfarbe und von C aus sehr leicht zu erreichen.
  • Ein Kapodaster. Viele Tonarten voller Barrégriffe werden mit Kapodaster zu Tonarten mit offenen Akkorden: siehe Kapodaster richtig benutzen.

Probleme und Lösungen

  • Die H- oder G-Saite klingt nicht: Meist liegt eine Gelenkfalte des Zeigefingers darauf. Verschieb den Zeigefinger etwas am Hals nach oben oder unten oder kipp ihn stärker auf die Seite.
  • Die tiefe E-Saite schnarrt: Die Spitze des Zeigefingers ragt zu weit über die 6. Saite hinaus oder liegt zu weit vom Bundstäbchen entfernt. Lass die Fingerspitze nur knapp über den Halsrand stehen.
  • Der Daumen schmerzt: Die Kraft kommt aus dem Daumen. Lass den Ellbogen sinken, entspann den Daumen und nutze das Gewicht des Arms.
  • Im 1. Bund klappt es immer noch nicht: Vielleicht ist die Saitenlage am Sattel zu hoch. Ein Gitarrenbauer kann sie für wenig Geld absenken – gerade bei günstigen Gitarren werden Barrégriffe dadurch viel leichter.

Häufige Fragen

Warum sind Barrégriffe so schwer?

Ein Finger muss bis zu sechs Saiten gleichzeitig herunterdrücken. Dafür braucht es vor allem den richtigen Winkel und Hebel, weniger Kraft. Die meisten brauchen zwei bis drei Wochen kurzes tägliches Üben, bis ein F sauber klingt.

Muss mein Zeigefinger alle sechs Saiten drücken?

Er liegt über allen sechs, muss in der E-Form aber nur die 6., 2. und 1. Saite greifen. Die übrigen Saiten drücken deine anderen Finger, also konzentrier den Druck dort, wo er gebraucht wird.

Kann ich F ohne Barré spielen?

Ja. Spiel das kleine F auf vier Saiten oder Fmaj7 mit offener hoher E-Saite. Beide passen in den meisten Stücken, während du dich an die volle Griffform heranarbeitest.

Sind Barrégriffe auf der E-Gitarre leichter?

Meistens ja, denn E-Gitarren haben dünnere Saiten und eine niedrigere Saitenlage. Auf der Akustikgitarre machen ein Satz leichter Saiten und eine gute Einstellung einen großen Unterschied.

Welche Barrégriffe sollte ich zuerst lernen?

F und h-Moll. F nutzt die E-Form mit dem Grundton auf der 6. Saite, h-Moll die Am-Form mit dem Grundton auf der 5. Saite. Damit lernst du beide Familien kennen.